Jugendberufshilfe am BSZ Waldkirch
Als Jugendberufshelferin (JBH) an unserer Schule habe ich die Aufgabe, mit den Jugendlichen im Laufe des Jahres herauszufinden, was der nächste sinnvolle Schritt für ihre berufliche Laufbahn ist. Lehrstelle? Weiterführende Schule? Praktikum? Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ) ? Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB)?
Die Schüler kommen mit guten Vorsätzen. Das bedeutet nicht, dass sie diese auch umsetzen können. Eine enge Zusammenarbeit im Gesamtteam, vor allem mit den Klassenlehrerinnen, ermöglicht es, den Einzelnen auf diesem Weg zu unterstützen. Ein über die Jahre am BSZ gereiftes Stufenprogramm sieht vor, dass auffällige Schüler sehr früh zu mir zum Einzelgespräch geschickt werden. In einem solchen Gespräch geht es darum, dem Schüler klar zu signalisieren: Stopp, dieses Verhalten wollen wir nicht! Ihm wird aufgezeigt, welches Verhalten in Zukunft erwartet wird und welche Konsequenzen fortgesetzte Regelverstöße nach sich ziehen. Ich lege mit dem Schüler genau fest, worauf er in Zukunft achtet, und wir erarbeiten gemeinsam Ziele, die für ihn attraktiv und erreichbar sind.
Konfliktgespräche, in denen es um nicht tolerierbare Verhaltensauffälligkeiten geht, nehmen im ersten Drittel des Schuljahres einen großen Raum ein. Die Schüler erfahren, dass sie unterstützt werden, ihre eigenen Ziele zu verwirklichen. Sie fühlen sich ernst genommen und fassen Vertrauen zur neuen Schule, nicht zuletzt dadurch, dass eventuelle Konsequenzen ihnen den nötigen Halt geben und sinnvolle Grenzen aufzeigen.
Wichtiger Dreh- und Angelpunkt sind natürlich auch die Eltern bzw. die beratenden und unterstützenden Elterngespräche. Eltern schwieriger Schüler zeigen oft eine ähnlich negative Erwartungshaltung gegenüber Beratungsgesprächen wie die Schüler selbst. Bisweilen haben sie einen langen gemeinsamen Leidensweg hinter sich. Es braucht dann auch für die Eltern eine Ermutigung, sich mit mir bzw. uns als Team zusammenzusetzen und das Schulumfeld als etwas Positives zu erfahren. Alle Eltern versuchen grundsätzlich ihr Bestes, und ich betrachte diese wichtige Grundhaltung gegenüber den Eltern als Schlüssel für manches erfolgreiche Beratungsgespräch. Die Zusammenarbeit mit den Eltern, ein Ernstnehmen der Sorgen und Nöte in dieser schwierigen Lebensphase ihrer Kinder schaffen die Vertrauensbasis, auf der neue Aspekte beleuchtet werden können.
Lehrer beobachten sehr viel im Laufe des Unterrichts. Ihnen fehlt aber oft die Zeit, um entsprechend handeln zu können: Schüler agieren ihre Ängste und Bedürfnisse, ihre mitgebrachten Probleme auf diverse Weise im Unterricht aus. Das kann sich in Leistungsverweigerung, Zuspätkommen, depressiver Stimmung, renitentem Verhalten usw. ausdrücken. Sofern nötig, kann der Lehrer in solchen Fällen die JBH zur Unterstützung anfordern. Diese besteht in den meisten Fällen in einem oder mehreren Einzelgesprächen mit dem Schüler. Voraussetzung für eine erfolgreiche Hilfe dieser Art ist eine gut koordinierte Kommunikation zwischen JBH und Lehrer.
Als JBH arbeite ich mit den Jugendlichen selbstverständlich immer an ihrer Zukunftsplanung. Bei einigen beginnt diese Arbeit mit ihren Verhaltensauffälligkeiten, bei anderen mit Problemen während der Praktikumssuche oder bei Konflikten während des Praktikums. Ein sehr wichtiges Aufgabenfeld ist das Erstellen einer Bewerbungsmappe. Die Schüler schätzen diese Hilfe als große Unterstützung, da sie in Einzelarbeit ihre individuelle Bewerbung und den Lebenslauf erstellen. Die meisten haben zwar bereits in der Hauptschule Bewerbung und Lebenslauf als Übungsaufgabe geschrieben, einigen hat dies aber nicht mehr eingebracht als eine schlechte Note. Damit stehen sie nun da und wollen sich auf eine Lehrstelle bewerben - oft eine schlechte Ausgangsbasis, die sie aus eigener Kraft nicht verbessern können. Bei manchen Schülern ist dieses Thema sehr besetzt durch Misserfolge, so dass es viel Ermutigung, Motivation und manchmal auch Überzeugungskraft braucht, sich neu daran zu wagen.