Project Adventure (PA) - Schule als Abenteuer!

Am Anfang stand die Entdeckung gemeinsamer Anliegen von Jugendberufshilfe und Religion in der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern im BVJ bzw. BEJ: Die Förderung der einzelnen Persönlichkeit in ihrer personalen und sozialen Handlungskompetenz sind gleichzeitig Grundlagen für eine günstige Perspektive bei der Berufsfindung wie auch für einen freien, erwachsenen Glauben. Genau diese Kompetenzen werden nachweislich durch erlebnispädagogische Projekte auf der Grundlage von Project Adventure (PA) gefördert. Also starteten wir mit pädagogischer und organisatorischer Unterstützung der Schulleitung sowie finanziellen Zuwendungen  durch  diverse kirchliche und landeseigene Zuschusstöpfe eine Kooperation zwischen Jugendberufshilfe und Religion, die seit dem Schuljahr 2003/2004 in Klassen des BVJ/BEJ erlebnispädagogische Projekte durchführt.

 

 Was ist PA?

Unsere Kooperationsprojekte basieren auf dem Ansatz von PA, einer Organisation, die in den USA ein Curriculum für schulische Erlebnispädagogik entwickelt und an Schulen etabliert hat. PA ist ein über einen längeren Zeitraum angelegtes Konzept für Klassenverbände. Dadurch können die thematischen Schwerpunkte Vertrauensaufbau - Kooperation - persönliche Herausforderung als ein aufeinander aufbauender Lernweg arrangiert werden. Bei den einzelnen Treffen ermöglichen verschiedene aufeinander abgestimmte Problemlösungsaufgaben den Schülern und Schülerinnen Erlebnisse, die durch die anschließende Reflexion zu Erfahrungen werden sollen.

 

Diese Erfahrungen führen nachweislich zu positiven Veränderungen im Selbstkonzept der Schüler/-innen. Sie stärken das Selbstwertgefühl bei Mädchen (Kraft und Stärke entdecken, sich etwas zutrauen, neue Herausforderungen von sich aus wagen, aktives Einmischen in Entscheidungs- und Gruppenprozesse) und Jungen (positives Erleben der eigenen Stärke, Erkennen eigener Grenzen, Eingestehen von Schwächen und Fehlern, Abgrenzung gegen Gruppendruck) und helfen, eine realistischere Selbsteinschätzung zu erlangen. Sie fördern kommunikative und soziale Kompetenzen (einander zuhören/ausreden lassen, in Ich-Botschaften sprechen, konstruktive Kritik formulieren, mit Kritik umgehen, Akzeptieren von unterschiedlichen Meinungen, Wertschätzen anderer) ebenso wie die Vertrauensfähigkeit (sich berühren lassen, sich - auch von wenig Vertrauten - helfen lassen, sich als getragen erfahren, anderen etwas zutrauen, Ausweitung der eigenen Grenzen) und das Verantwortungsbewusstsein. Nicht zuletzt werden Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltevermögen trainiert.

Wie muss man sich den praktischen Ablauf von PA vorstellen?


In acht bis neun  Blöcken, die je nach Vorhaben drei bis sieben Unterrichtsstunden umfassen, treffen wir uns, um teilweise geschlechtsgetrennt, teilweise im Klassenverband die aufeinander aufbauenden erlebnispädagogischen Übungen durchzuführen und zu reflektieren. Dabei zeigt die Erfahrung, dass es sich lohnt, für Übungen, die nicht der Sporthalle und ihrer Ausstattung bedürfen, das Schulgelände zu verlassen und geeignete Orte in der freien Natur aufzusuchen: Die Schüler/-innen legen manche typischen Verhaltensweisen ab und sind zugänglicher für intensive persönliche Erfahrungen.

An das Vorstellen des Projektes, der Rahmenbedingungen und der daran Beteiligten sowie einer Einstiegsübung schließen sich zwei Treffen an, die dem Vertrauensaufbau gewidmet sind. Zwei Blöcke mit Kooperationsübungen ermöglichen es, dass sich bei den anschließenden drei Blöcken für die persönliche Herausforderung auch die körperlich schwächeren Schüler/-innen Dinge zutrauen, die sie ohne die vorausgegangenen Erfahrungen  nicht machen würden.

Auf eine abschließende Nacht-Orientierungsaktion in begleiteten Kleingruppen, die zuvor in der Schule vorbereitet wird, erfolgt eine je persönliche und gemeinsame Reflexion des gesamten Projektes.

Für ihr Einlassen auf PA und ihr Engagement auch für andere in der Gruppe erhalten die Schüler/-innen eine Note, die im Zeugnisformular bei "Religion" ihren Ausdruck findet.

Die Erfahrungen des Vertrauens, der Kooperation und der persönlichen Herausforderung werden nach Möglichkeit aus der Perspektive der abendländischen Tradition ausgedeutet. Dabei legen wir Wert darauf, das Verbindende in allen Weltreligionen hervorzuheben, z. B.  die ?Goldene Regel?: Was Du von anderen erwartest, das erweise zunächst ihnen. Des Weiteren werden die Erfahrungen im Bewerbungstraining aufgegriffen.

 Fazit

 Die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler sind trotz mancher Holprigkeiten sehr positiv. Wir als Leitungsteam können viele kleine Wachstumsschritte beobachten oder Seiten von Persönlichkeiten jenseits des Fachunterrichtes entdecken, die z.T. überraschend neu, z.T. aber auch bestätigend sind. Daher begleiten die Klassen- und Fachlehrer/-innen nach Möglichkeit einzelne Aktionen oder informieren sich über beobachtete persönliche Entwicklungen. Durch die Kooperation mit den Sportlehrern entstand mittlerweile in begleitetem Eigenbau eine Kletterwand in unserer Turnhalle. Klassenlehrer/-innen anderer Schularten am BSZ greifen auf unser Material und Know-how zurück, um die Klassenfindung zu beschleunigen. Das neue Pflänzchen PA ist  so gut im Schulleben angewachsen, dass es mittlerweile als fest verwurzelt im Beruflichen Schulzentrum bezeichnet werden kann.

 Martina Schnurr und Ralph Rebholz

 Einige O-Töne:

"Ich würd´s weiterempfehlen" (Roberto)

"Es hat sehr Spaß gemacht, weil die Klasse da zusammengehalten hat, ja, es war sehr schön" (Ekzona)

"Wir hatten so mehr Vertrauen zueinander" (Aytan)

"Hat sehr großen Spaß gemacht, man hat gesehen, dass die Klasse sich vertrauen kann" (Nick)

"Hat mir sehr gut gefallen, da lernt man halt sich zu vertrauen und Zusammenarbeit und sich zu überwinden" (Lukas)

"Also, so war´s echt supergenial, hab viel mitgenommen davon" (Sandra)